Es gibt einiges über Haare zu erzählen.
Beispiel: Als ich 1975 nach Deutschland kam, erfuhr ich, dass das was auf meinem Kopf in der Sommerbrise sachte umeinanderwirbelte, „Haare“ heißt – notabene „Haare“ nicht „Haar“.
Eine ulkige Vorstellung für einen Englisch Muttersprachler. Im Englischen sind „hairs“ stets weniger an der Zahl als „hair“. „Hair“ ist auf Englisch ein Kollektivum, d.h., eine Sammelbezeichnung. Ein Wort steht für ungezählte Einzelteile – so wie das „Gebirge“ auf ungezählte Berge hinweist.
„Hair“ ist im Englischen unzählbar. Wir stellen nur fest, dass wir sie haben – oder nicht. „Hairs“ zählt man. Auch wenn es tausend Strähnen sind.
Doch nun schreiben wir 2009, und ich stelle fest, dass man im Deutschen „Haar“ und nicht mehr „Haare“ auf dem Kopf hat. „Glänzende Farbreflexe für graues und blondiertes Haar“. Dieses Zitat habe ich soeben im Internet aufgegabelt. Woher dieser neue Sprachgebrauch stammt, vermag ich nicht zu sagen. Noch eine Verdenglischung? Die Wirkung des Musicals „Hair“ auf die deutsche Sprache? I don’t know. Vielleicht schreibe ich mal eine Doktorarbeit darüber.
Und noch eine Feststellung rund ums Haar. 1994 bin ich mit der Familie in die USA ausgewandert, bzw., zurückgekehrt. Das Datum ist wichtig. Denn damals habe ich noch beobachten können, dass die unrasierte Achselhöhle der deutschen Frau das Gegebene war. Vier Jahre später kehrten wir frohen Mutes in die old world zurück und siehe da, die Achselhaare (oder sagt man das „Achselhaar“?) waren glatt verschwunden.
Was ist passiert? Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung. War eine neue Generation haarscheuer junger Damen herangewachsen? Handelte es sich um eine neue Mode, vielleicht durch MTV inspiriert? Ich muss passen. Wäre auch vielleicht ein würdiges Thema für eine Doktorarbeit.
Kennen sie den englischen Spruch: „Hair today, gone tomorrow“. Ein Wortspiel selbstverständlich – aber kein lahmendes. „Hair“ klingt ähnlich wie „here“. Aber nun zum nächsten Thema ums Haar: die Intimrasur. Notabene: Wer sich an die Zeit vor 2007 nicht mehr erinnern kann, wird vielleicht nicht wissen, dass es dieses Wort „Intimrasur“ früher nicht gab.
Erst letzte Woche habe ich in der Zeitung gelesen, dass sich fünfzig Prozent aller Frauen – ich nehme an, dass hier nur junge Frauen gemeint sind – intimrasieren. Tendenz steigend. Noch erwähnungswerter: Fünfundzwanzig Prozent aller Männer scheren sich ebenso kahl. Auch hier nehme ich an, dass nur junge Männer gemeint sind – alt genug allerdings, um die entsprechenden Haare zu haben, die man wegrasiert.
Es heißt – so habe ich gelesen – , dass man sich nach der Intimrasur „glatter“, „sauberer“, „sinnlicher“ fühlt. Selbst wurde ich in den letzten Jahren zweimal – zumindest teilweise – intimrasiert, einmal vor einer Venenoperation – damals war es aber nur das linke Bein. Das rechte blieb ungeschoren. Ich habe Fotos vom besagten Bein gemacht – ich zeige sie aber nicht her. Habe ich mich „glatter“, „sauberer“ und „sinnlicher“ gefühlt? Nein, es hat gejuckt.
Das zweite Mal war während meiner Gallenoperation. Ich wachte aus der Narkose auf – und siehe da: mein Bauch wurde bloß gelegt.
Habe ich mich diesmal: „glatter“, „sauberer“ und „sinnlicher“ gefühlt? Nein, ich hatte nur Schmerzen und wieder neue Narben.
Komisch. In meiner Jugend haben wir um das Recht gekämpft, die Haare lang wachsen zu lassen. Die langen Haare waren eine Art Fanal für ein neues Zeitalter. Das Musical „Hair“ basiert auf diesem damaligen Kampf. Kaum hat man gesiegt, will die nächste Generation keine Haare mehr haben, oder soll ich lieber „Haar“ sagen?
Somit habe ich Ihnen die Geschichte der Welt am Beispiel der Haare erzählt.
Kommentare
haarige Wortwahl
Ich kenne aus meiner Jugendzeit (in Berlin) beides:
Haare und Haar für das was einem auf dem Kopf wächst, allerdings in etwas unterschiedlicher Bedeutung: "Das Haar" war für mich als Kind immer etwas "offizieller", gewählter als "die Haare".
"Sie trägt die Haare lang" klingt deswegen umgangssprachlicher für mich als "Sie trägt das Haar lang", es klingt da "das Haupthaar" wie in (älteren?) Büchern manchmal verwendet, mit. Also beides verwendet, mit etwas anderem Unterton.
Meist war die gewählte Variante schnurz, wenn man nicht gerade literarisch werden wollte.
Vielleicht waren Sie in einer Gegend gelandet, die aus irgendwelchen Gründen nur eine Version verwendete... aber auch bei mir kann "die Haare" eine "zählbarere" Bedeutung haben.
Zu den "unteren" Frisur-Erfahrungen kann ich nur sagen:
Was der eine sinnlich findet, juckt den andern nur... oder eben nicht. Anderen juckt da vielleicht dann das Zwerchfell... und glatter ists nur, bis die Stoppeln wuchern.
Herzliche Grüße,
Monika
www.ateliersim.de
Haarlos ist doch ganz normal
bathroom suites
Schattenparker
Haariger Beitrag
... und ich dachte immer, über ausgefallene Dinge soll mann nicht sprechen (nach Heinz Erhardt).
Matthias
1a-frisur.de
Haare
Ich bin auch ein Vertreter der jüngeren Generation und ich bin auch für die Intimrasur. Also von mir könnten alle Haare ausser die auf dem Kopf weg. Meine Überlegung dazu ist allerdings dass vielleicht auch die Evolution schuld an der Sache ist. Ich meine Haare ok... Aber wie sieht denn das aus wenn ich beispielsweise meine Achselhaare stehen lasse und dann hab ich da 2 so dünne Härchen... Vielleicht wird deswegen rasiert wie blöd damit es nicht auffällt das wir haarlose Wesen werden? Und die andere Überlegung zum Thema "Hair" ich liebe diese Musical ich habe es auch ungelogen 15 mal Live gesehen... Man will doch immer das was man nicht haben kann. Früher wollte man lange Haare und alle Haare... Heute ist das eben anders. Und wenn wir mit dem Haarlosen Thema durch sind sieht man wahrscheinlich demnächst auch unsere Spitzenpolitiker mit langen Haaren ;) Also witzig wäre es schon. Meine Empfindungen zu diesem Artikel Liebe Grüße Friseur München Haidhausen
Sauberer
Auch ich bin eher von der jüngeren Sorte und auch ich unterstütze die Meinung rasieren ist Klasse ;) Durch meine Tätigkeit in einem Mannschaftssport durch die man zwangsläufig nun mal andere Frauen nackt sieht muss ich sagen wer nicht rasiert ist ist eher ein Aussenseiter. Woran das genau liegt weiss ich nicht. Ich kann nur sagen ich fühle mich selber auch reiner wenn ich rasiert bin. Und ich finde es auch schöner rasierte Frauen unter der Dusche neben mir stehen zu haben als unrasiert. Das ist sicherlich Geschmackssache, aber soweit meine Meinung. Grüße Frisör München
Ich mag wie du emphazie
Ich mag wie du emphazie diesem Artikel, aus dieser werden viele Unterschiede zu erziehen.
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