Haben Sie gewusst, dass es vor 200.000 Jahren in Syrien Kamele gegeben hat, die zweimal so groß waren wie die heutigen? Das habe ich gestern im Internet erfahren.
Auch Menschen lebten damals in Syrien, so erfuhr ich an gleicher Stelle, und sie hatten Werkzeuge aus Feuerstein – oder war das rostfreier Stahl? Wenn ich schnell lese, verheddere ich mich manchmal in den Details.
Wie dem auch sei, das ist alles ziemlich lange her. Und letztendlich rätselte ich über eins: Wie haben es die Menschen damals geschafft, diese Riesenkamele zu besteigen, um sie durch die Wüste zu reiten?
Ich nehme jedenfalls an, dass sie sie durch die Wüste ritten. Wozu braucht man ein Kamel, wenn es keine Wüste gibt?
Und damit komme ich zum eigentlichen Thema: Mein Urlaub. Inzwischen liegt „die schönste Jahreszeit“ zwei Wochen zurück. Der Erholungseffekt ist natürlich längst verbraucht. Ich denke an diese Zeit wie an einen Traum, von dem man nur noch Bruchstücke ins Tagesbewusstein hinübergebracht hat.
Wir – das heißt, meine Frau und ich – verlebten diese zwei Wochen in einem winzigen Dorf etwa zehn Kilometer südlich vom Gardasee. Richtiges Landleben, will sagen, unentwegt Vespaverkehr, grollender Traktorenlärm. Möchtegern-Grandprix-Teilnehmer in alten Alfa-Romeos bretterten zu jeder Tageszeit um die Kurve, und mindestens dreihundert verbissene Radfahrer pro-Stunde strampelten am Frühstückstisch vorbei. Nur wenige winkten uns zu.
Nur eins hatten wir nicht – und deshalb der Hinweis auf Altsyrien: eine DSL-Verbindung. Jawohl. Stellen Sie sich vor: zwei Wochen ohne das WehWehWeh. Genug Zeit, um sich auszumalen, wie man ein sechs meter hohes Kamel besteigt (hätte ich davon schon gewusst).
Ich habe also zwei Wochen so gelebt wie unsere Vorfahren. „Abenteuerurlaub“ nennt man das heute. Diese Gegend ist von der heutigen Zivilisation so sehr unberührt, dass die Einwohner noch immer einen eigenen Dialekt des Italienischen sprechen, den der Außenstehende nicht versteht, egal wie gut er Italienisch kann. „Bresciano“ heißt die Sprache. Auf Italienisch sagt man, zum Beispiel „Pane di genero pane di cenere“. Wörtlich: „Das Brot des Schwiegersohns ist das Brot der Asche.“ Keine Ahnung, was das bedeuten soll. Es klingt jedenfalls auf Bresciono folgendermaßen: „Pa da zöndar pa da söndar.“ Alles klar?
Vielleicht fragen Sie sich, wie man zwei Wochen ohne Internet überlebt. (Diese Frage stellen freilich nur diejenigen, die noch kein iPhone oder sonstiges „Smartphone“ besitzen. Die sind natürlich überall erreichbar – auch in Altsyrien. Ich besitze kein „Smartphone“). Erschwerend für uns war auch die Tatsache, dass wir kein Auto hatten. Wir sind nämlich mit dem Zug nach Desenzano gefahren und wurden von unseren Freunden dort abgeholt. Nur in dieser Stadt, die mich an Pompeii erinnert, kann man ausländische Zeitungen finden. Wir kamen nur dreimal nach Desanzano.
Praktisch abgeschottet von der Außenwelt waren wir also. Wir waren ganz aufs Satellitenfernsehen angewiesen und hatten nur das gesamte Progamm aus Deutschland als Informationsquelle. Täuschen Sie sich aber nicht. Das ist nicht viel. Es war wie eine Reise in die Vergangenheit. Wir hockten alle miteinander um das Fernsehgerät, um das Neueste über Michael Jackson zu erfahren oder um „Tatort“ zu sehen. Es war wie zu Urzeiten. Denn stellen Sie sich vor: Es gibt im Fernsehen keine Pausetaste. Wenn man redet, läuft die Kiste einfach weiter. Man kann also leicht etwas verpassen. Ich sehe deshalb, ehrlich gesagt, keine Zukunft für diese alte Technologie und fürchte das Schlimmste: schon wieder neue Arbeitslose aus der Medienbranche.
Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Diese Glosse beginnt mit einer kurzen Reise in die weite Vergangenheit und endet mit Gedanken über die Zukunft der Medien . Ein ganzer Bogen wird also gespannt: von den Riesenkamelen zu den ollen Kamellen – oder wie man auf Bresciano sagt: „La bolp la pert al pel e mio i vise“. Ich halte eine Übersetzung hier für überflüssig.
Kommentare
Bresciano
Verstehen Sie Bresciano? Oder helfen da vielleicht Handzeichen?
Oder vielleicht braucht man ja ein online-Wörterbuch dafür...*grübel* dann fehlt es wieder, das www...
Zukunft oder Vergangeheit, kommt alles im heute zusammen!
auch beim www. Tja, viele herzliche Grüße von wieder mal
Monika Sim
www.ateliersim.de
Wie Französisch
klingt das Bresciano, liebe Frau Sim. Aus "poco" wird "pö", aus "pane" "pa". Trotzdem helfen die Französischkenntnisse kaum, wenn man das Bresciano verstehen will. Man bekommt ohnehin als Outsider kaum Gelegenheit, die Sprache zu hören. In unserer Gegenwart sprechen alle brav Italienisch. Diese Sprache will nämlich Intimität. Zeit + Nähe = Bresciano. Auch von mir wie immer die herzlichsten Grüße Ihr PJB Sprachbloggeur.
Interessante Dialekte
Äußerst interessant, lieber PJB.
Ich interessiere mich sehr für die italienische Sprache und lerne auch (leider viieel zu langsam, hier im Norden ohne Übungsmöglichkeiten und ohne nötige Reisen..
Anhand der für mich sehr interessanten "Folk"-Musik Italiens und auch der alten Musik bin ich auf so viele interessante "Vartiationen" gestoßen... schön, von IHnen mal was darüber zu hören.
Ich kann mir gut vorstellen, das viele Dialekte wirklich nur noch ab und zu zu hören sind und mit den "Anderen" spricht man sowieso lieber italienisch. Auch oft, wenn man Zeit hat...
"Französisch" klingende Dialekte kenn ich aus einigen Liedern: "la lün" (gesprochen) oder "la lüna".. ich sitze immer da und brezel mir die Bedeutung raus. Ich finds spannend, auch wenn andere komisch dreinschauen.
Sind sie öfter in Italien? Dann hoffe ich auch einmal einige Betrachtungen über Sprache von Ihnen mit einer "Prise italiensich" zu bekommen
Herzliche Grüße wieder von Monika Sim
www.ateliersim.de
Sprachreise
Diesen Hinweis kann ich nur
Diesen Hinweis kann ich nur bestätigen.
Das ist richtig
Hallo, das stimmt Sprachreisen kann man nur empfehlen, das ist es definitiv wert. Viele Grüße Ben vom Handy-Blog
Danke!
Ich stimme mit Mike, es war
Ich stimme mit Mike, es war eine sehr aufschlussreiche und gut zu lesen! Ich vorgemerkt diesem Blog, damit ich überprüfen kann mehr Stellen in der zukünftigen Zeit, wenn ich etwas mehr Zeit auf dem Computer haben, vielen Dank! Mit freundlichen Grüßen, Pepper-Spray
Also ich fänd das Sprachliche
Wenn diese Kamele waren am
Wenn diese Kamele waren am höchsten könnten ihr Ziel schneller zu erreichen, denken Sie nicht so?, Montarco genug, um einige kleine Treppen haben. Im Internet ist nicht so schlimm, können Sie keinen echten Urlaub und Erholung, wenn Sie die Welt zu Ihrer Verfügung auf einem Laptop, ist dies auch weiterhin gleichermaßen auf der Welt Sie wissen, beigefügt.
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Das kommt auf die Kamele
Das kommt auf die Kamele wirklich zu denken und zu philosophieren über die Fakten, sondern dass jedes Mal, wenn man gerade lernt neue Dinge. Zwei Wochen ist keine sehr lange Zeit ohne Internet leben, besonders wenn man gute Gesellschaft, ist es besser, die Dinge zu genießen, werden qu auf einem Computer mehrere Stunden in Ihrem Leben verklebt. -
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Rappelkopf
Interessante Geschichte, aber
Interessante Geschichte, aber ist nicht als schlecht, ohne Internet, Zeit seiend, um anzufangen, sich nes Dingen anzuschließen. ///
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Bresciano
Caro Dieter Bresciano,
vielen Dank für die schönen Erläuterungen. Ja, Sie haben mich als Kokettierer entlarvt. Und nun würde ich gerne meinen guten Willen mit einem neuen Spruch in Bresciano-Dialekt beweisen. Doch leider habe ich das schöne Dialektbuch, das ich in Desanzano gekauft habe, irgendwo verschlampt. Typisch. Soviel zu meiner Schlagfertigkeit. Ich freue mich jedenfalls, dass Sie den Sprachbloggeur entdeckt haben und hoffe sehr, dass Sie meinen kleinen Laden immer wieder besuchen. Mi casa es su casa. Herzliche Grüße, Ihr Sprachbloggeur, PJ Blumenthal
Es erstaunt mich, wie der
Es erstaunt mich, wie der Geist wandert, wenn Sie ohne das Internet sind, haben Sie eine unglaubliche Reise durch die Zeit zurück zu 20.000 Jahre.
Wie recht du hast denn das
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